Schuljahr 2010/2011
Neue Medien faszinieren
Talkrunde: Verleger und Chefredakteur der Heilbronner Stimme stellen sich Schülerfragen
Welche Bedeutung haben das Internet und soziale Netzwerke heute bei der Beschaffung von Informationen? Darüber und über weitere Themen diskutierten Stimme-Verleger Tilmann Distelbarth und Chefredakteur Uwe Ralf Heer am Freitag mit rund 50 Achtklässlern in der Wilhelm-Maier-Schule in Obereisesheim.
„Die meisten Informationen bekommen wir aus dem Internet. Wozu brauchen wir noch die Zeitung?“, lautet die wohl provokanteste Frage des Moderatorenteams – Dianne Plavcak, Klasse 8a, Burak Cerit und Sergej Steinhauer aus der 8b, alle 14 Jahre alt. „Das Internet bekommt die meisten Informationen aus der Zeitung, nicht umgekehrt“, stellt Uwe Ralf Heer richtig. Jedoch schätzt der Chefredakteur das Netz als schnelle und aktuelle Plattform. Gleichzeitig blieben die Nachrichten dort eher an der Oberfläche: „Wo man sich gründlich über Hintergründe informieren kann, das ist in der Zeitung.“ Auch die Gewichtung im Internet empfindet Heer als problematisch. Alles wirke dort gleichermaßen bedeutsam, während die Tageszeitung eine Selektion der Nachrichten vornehme. Und da sie einen Anfang und ein Ende habe, trage sie zur Entschleunigung in der immer schnelleren Welt bei.
Orientierung Gespannt lauschen die Schüler Tilmann Distelbarth, der darauf hinweist, dass dies in der Natur des Menschen liege – vom Leben selbst bis hinzu jedem einzelnen Tag. „Danach strebt der Mensch“, ist der Verleger überzeugt. „Auch, um beispielsweise am Abend den Tag Revue passieren zu lassen.“ So böten Tageszeitungen „einen Kompass – Orientierung in der wachsenden Informationsflut.“
Doch nicht nur die Schüler sind von den neuen Medien fasziniert. „Selbst wir, die Heilbronner Stimme, haben einen Facebook-Account“, verrät Heer. Gerade junge Leser würden sich dort auf die Überschriften und kurzen Infos konzentrieren, meint Distelbarth. Das Web sieht er „als Appetithappen für die intensivere Infosuche in der Tageszeitung.“
Eigener Account Und wie stehen die Zeitungsmacher persönlich zu Facebook und ähnlichen Netzwerken? Das interessiert die Hauptschüler brennend, bei dem Thema haken die Moderatoren nach. Uwe Ralf Heer lobt Facebook als wichtiges Kommunikationsmittel für den Austausch, wundert sich aber „wie viele manche von sich dort preisgeben“. Auch Tilmann Distelbarth sieht – politische – Vorteile: „Dieser nicht zu stoppende Austausch macht es Diktatoren schwer, Aufruhr zu verhindern.“ Seine eigene Facebookseite habe er aber seit vier Wochen nicht mehr geöffnet: „Persönliche Kontakte sind wichtiger.“
Angesichts der vielen Gefahren, die Facebook und Co. bergen, ist der Verleger skeptisch: „Das Netz vergisst nichts, heißt es. Man legt seine Daten da in die Hände von Großkonzernen und weiß nicht, was sie eines Tages womöglich damit anfangen. Wissen ist Macht, doch sie kann auch missbraucht werden.“
Ob das die Schüler nachdenklich stimmt? Sie bedanken sich jedenfalls mit großem Applaus und verabschieden Verleger und Chefredakteur zu deren Überraschung stehend und im Chor – und überreichen ihnen selbstgeschriebene und als Buch gebundene Weihnachtsgeschichten.
Susanne Schwarzbürger
Das Video in kompletter Länge
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